Die Wurzeln

Retinette

Das ist sie: meine erste Kamera

Die Retinette meines lieben Vaters, der sie mir schenkte, als ich so um die 10 war. Einen Belichtungsmesser hatte ich nicht, also die Beleuchtungssituation musste beurteilt und die Werte für Blende und Verschlusszeit geschätzt werden. Die Entfernung natürlich auch. Film war teuer, bis einer voll war, dauerte es durchaus mal mehrere Wochen. Das Fotografieren war nicht so beliebig, wie heutzutage – das Drücken des Auslösers verursachte deutliche Kosten, so dass der Fotograf zu jener Zeit gezwungen war, das Foto sorgfältig zu planen. Ja, und das galt besonders für 10jährige Dötze mit kleinem Taschengeld.
Doch Vati fotografierte selber sehr gern und auch gut, also gab’s Erläuterungen gratis. Der Zusammenhang zwischen Lichtmenge, die das Negativ belichten sollte, Länge der Verschlusszeit und Größe der Blende waren schnell erklärt und verstanden.

Bei den ersten Aufnahmen wurde noch geholfen:
„Bedeckter Himmel – höchstens eine Dreißigstel und die Blende ganz auf. Dann kann das hinkommen. Und pass bei diesen schlechten Beleuchtungsverhältnissen auf die richtige Einstellung der Entfernung auf, wegen der geringen Schärfentiefe. Und achte drauf, dass du die Kamera nicht verreißt. Drück nicht den Auslöser nach unten, sondern Zeigefinger und Daumen zusammen. Und wenn die Sonne scheint, dann darf die Blende auch klein gestellt werden und die Zeit kürzer. Dann kommt es auf die richtige Entfernungseinstellung nicht so an. Und verreißen kannst du die Aufnahme auch nicht so leicht.“

Ich kann mich gut an die Worte meines Vaters erinnern.
Und dann wurden die Einstellungen gemacht und bald ging’s auch ohne Hilfe meines ersten Mentors.

Ich finde die Fotos, die ich noch gefunden habe, recht gelungen und wundere mich, dass die Belichtung meist stimmt, sie „gerade“ sind und auch der „Schnitt“ einigermaßen passt. Ich denke, der arme Photograph (ja, so schrieben die sich um die Zeit noch), der um die Ecke seinen Laden hatte und die Abzüge machte, hat sich mächtig gemüht, um aus den Fehlbelichtungen noch etwas zu herauszuholen.

Voigtländer

Und das ist die andere Kamera, die mich bei meinen ersten Gehversuchen begleitet hat.

Es ist eine Voigtländer Brillant aus den 30igern des vorigen Jahrhunderts, sie gehörte meiner Tante, und der konnte ich sie erfolgreich abschwatzen und mich mit 6X6 beschäftigen. Endlich machte es Sinn, auch selber zu entwickeln und Kontaktabzüge herzustellen. Zu einem Vergrößerungsapparat bin ich leider nie gekommen, es fehlte der Platz für eine Dunkelkammer. Schade. Ich könnte mir denken, wenn ich hier hätte vermehrt aktiv sein und mich schon früher intensiv mit der Fotografie auseinandersetzen können, so wäre mein Lebensweg ein anderer geworden. Aber dennoch – die Experimente mit „weichem“ und „harten“ Papier, Abwedeln (so weit die geringe Größe dies zuließ) und Spielerein wie Solarisation haben Spaß gemacht, das muss ich wirklich sagen.

Weitere analoge Fotoapparate waren die Chinon CE4 und die AE1. Ich habe bald ausschließlich Dias fotografiert, das war das preiswerteste und die Ergebnisse stellten sehr zufrieden. Vor allem war die Qualität der Abzüge besser als die von Negativen.