Miksang – Wie ich drauf kam

– Back to the Roots –

Der Knall

Was habe ich denn da gebucht – Miksang kontemplative Fotografie… Und wie bin ich überhaupt drauf gekommen?

Ich las das Wort „Miksang“ im Forum „The Good Eye“, in dem es um eine et­was andere Sicht auf Fotografie geht, ein Ort, wo man ein we­nig über den Teller­rand hinaus schaut. Das machte mich neugierig, denn ich hatte dort schon einige gute Impulse beDer Krahnkommen. Miksang, das musste ich erst einmal googeln. Es ist das tibetische Wort für „Gutes Auge“. Tibet – da lag gleich die Idee nahe, dass hier irgendwo auch buddhistische Gedanken hineinspielen könnten, ein Umstand, der mich noch neugieriger machte, beschäftige ich mich doch seit einigen Jahren mit alternativen Ideen zu dem westlichen Gedankengut. Dabei stelle ich fest, dass gerade die fernöstlichen Gedanken zur „Weltbeschaffenheit“ meinen Raum erweitern können, ohne altbewährtes grundsätzlich in Frage zu stellen. Die Spur„Miksang“, ein gutes Auge, möchte ein Fotograf natürlich sein eigen nennen. Die Welt zu sehen, wie sie ist, ist ein Ziel, auf das vielfältige Wege hinführen können. Es ist eine der zentralen Fragen der Menschheit schon seit Urzeiten, eine Frage, die eher nichts mit Fotografie zu tun hat. „Ike“, die Welt ist, wofür du sie hältst, oder auf das Sehen umgedeutet, die Welt ist, wie du sie siehst, das sagen uns schon weise hawaiiani­sche Schamanen, die von Fotografie keine Kenntnis hatten, und sie haben recht. Also die Frage ist: Wie sehe ich die Welt denn nun? Ich finde dies immer wieder spannend, neue Wege zeigen sich, Antworten verwirren mich durchaus auch und geben mir neue Fragen nach der Beschaffenheit der Welt auf. Und vielleicht, so dachte ich, kann mir „Miksang“ hier eine Hilfestellung bieten? Lässt eine vielleicht besondere Art zu fotografieren ein neues Licht auf die Welt scheinen?

Kontemplativ, das war ein weiterer Begriff, der der Klärung bedurfte:

Das Wort kann übersetzt werden mit: betrachtend, beschaulich, und es wird eigentlich immer an eine nach innen gehen­de Bedeutung gedacht. TüllEtwas, das in Ruhe, in Versenkung und vielleicht Meditation geschieht. Wie empfinde ich dies oder das, ist die Frage, und nicht, wie empfindet jemand anders diese Situation. Es geht um Bewusstseinserweiterung und nicht um Darstellung. Aufmerksamkeit, Ruhe und Achtsamkeit sind gute Begriffe, um Kontemplation zu begleiten. Außen und innen synchronisieren, dabei das Außen in seiner Ursprünglichkeit und die Verbundenheit mit den Dingen erfahren. Miksang kontemplative Fotografie ist also eine andere Herangehensweise an das Fotografieren: Vielleicht eine, die mich zurückführt, die meinem Sehen wieder die Frische, die Saftigkeit gibt, die sie mal hatte? Vielleicht öffnet Miksang mir einen Weg, und da ich keinerlei Ausbildung in Sachen Kunst oder Fotografie habe, gibt es viel­leicht gar nicht so viele Verkrustungen zu lösen?

 

Im SpiegelSehr spannende Fragen. Der Sinn von Miksang liegt also zuerst in Annäherung des Fotografen an seine Außenwelt, dieser in einer neuen Achtsamkeit zu begegnen, in der Ursprünglichkeit der Wahrnehmung, und nicht in der üblichen Intention beim Fotografieren, einem anderen Menschen etwas zu erzählen. Das hindert ja nicht daran, die Fotos dennoch anderen Personen zu zeigen. Und es wird nicht überraschen: wenn es dem Fotografen gelungen ist, darzustellen, was ihn in einem Moment des Lebens angerührt hat, die Unmittelbarkeit der Empfindung in Klarheit des Geistes, dann wird diese auch für den anderen sichtbar. Es ist frisch und unverdorben durch konzeptionelle Ideen, und dabei beileibe kein Schnappschuss oder das verpönte „Knipsen“. Den Fotografierenden interessiert in erster Linie der Moment, der sich ihm blitzlichtartig gezeigt hat. Kommt er zum Schluss, dass er diesen darstellen kann, so ist er gehalten, sich durchaus um eine gute Gestaltung des Fotos zu kümmern, doch diese steht nicht im Vordergrund und ist dennoch nicht unwichtig, gerade im Sinne des Übens von Achtsamkeit.

Bitte setzen.Michael Wood hat’s erfunden. Er ist ein in Canada geborener studierter Fotograf, der Ende der Siebziger des letzten Jahr­hunderts mit der konventionellen Art zu fotografieren immer unzufriedener wurde. Er begegnete dem Buch „Zen in der Kunst des Sehens“ von Frederik Franck, der da sagt: „Jeder von uns hat einen unverdorbenen Kern in sich, der im Laufe des Lebens durch Erziehung, Ausbildung und Belehrungen ausgetrocknet und schließlich vergessen wird. Sogar in denjenigen, der von qualifizierten Ausbildern darin geschult wurde, als Künstler bewusst „kreativ“ zu sein, trocknet dieser unverdorbene Stil aus – auf der Jagd nach einem „persönlichen Stil“, im eifrigen Bemühen, „trendy“ zu sein.“ Anschließend kam Michael Wood mit dem „Buch vom spirituellen Leben“ von Chögyam Trungpa in Berührung, dessen Gedanken ihn zur Meditation führten.

EingelassenDie Begegnung mit Bildern von letzterem brachte einen Prozess in Michael Wood in Gang. Die Bilder von Trungpa entsprachen nicht den üblichen Vorstellungen von einem guten Bild, sie waren anders. Wenn man mag, kann man man in ihnen vielleicht stellenweise Dilettantismus entdecken, denn sie sind nicht unbedingt perfekt belich­tet oder wirklich immer Unter Beobachtungscharf, wo ein Bild scharf sein sollte. Sie widersprechen vielleicht auch den hergebrachten Kompositionregeln. Aber von ihnen geht eine Anziehungskraft aus, eine Frische, etwas Überra­schendes, das sich nicht leicht in Worte fassen lässt. Dies war der Ausgangspunkt für eine Entwicklung: Michael Wood begann die Welt anders zu sehen, das Sehen als einen Prozess zu begreifen, der ihn mit der Welt verband. Er fing an anders zu fotografieren. Und er trug seine Ideen in die Welt. Es würde hier zu weit führen, genaueres dazu zu schreiben. Wer mag, schaut auf der Website von Michael Wood nach. Und vielleicht hier.

Ja, so etwas habe ich gebucht. Ich bin überaus ge­spannt.

Hier geht es weiter mit der „Abendlichen Vorbesprechung“.