Texturen

Am letzten Tag geht es um Texturen. Wir sollen Texturen fotografieren. Nach der Klärung des Begriffs (im Grunde kann man das Wort durch „Oberfläche“ oder „Beschaffenheit einer Oberfläche“ übersetzen) war klar, jetzt geht ums Ganze. DungEs gibt nämlich nichts mehr, das nicht fotografiert werden kann. Alles hat Textur und kann gefühlt werden. Ach wie einfach war da doch der erste Tag mit seinen vielen Einschränkungen. Vom Büro bis Ausgang des Hofes, an dem es liegt, hätte ich zig Texturen ablichten können, ich hätte keinen Schritt in miksang-texturen-17die Stadt tun müssen. Mein Entsetzen über die unglaubliche Vielzahl an Fotomotiven, die nun vor mir liegt und einer Selektion bedarf, bricht sich Raum. Hiltrud meint nachmittags augenzwinkernd, am liebsten hätte sie mich in den Hof gesperrt, um mir Halt zu geben. Gut, dass sie es nicht getan hat, ich hätte mich gelangweilt und auf mein Eis verzichten müssen, denn artig wie ich bin, hätte ich dem Gebot natürlich Folge geleistet. 😉 Nach wiederum einigen Übungen werden wir in den Tag entlassen. Der endet wie die anderen, nein nicht ganz, denn am Ende steht der Abschied. Ich habe viele schöne Bilder im Kasten, einiges findet miksang-texturen-32Anklang, ein Wow. Und anstrengend war’s, finde ich, etwas frustrierend, denn der Mut zur Lücke hat doch viel Kraft gekostet. Aber welch gute Erfahrung nehme ich mit. Es ist gar nicht notwendig viel Ausschuss zu produzieren. Es müssen keine Konzepte bemüht werden. Nichts muss konstruiert werden. Es geht auch anders.

Hier gibt es eine Galerie vom Texturentag.

Und ein paar Fotos von Menschen, die mir begegneten.

Ja, so ist das mit Miksang. Es ist eine Erfah­rung, Rheingolddie ich nicht missen möchte. Ich habe viel dazugelernt und nebenbei überaus inter­essante und liebenswürdige Menschen ken­nengelernt. Und ich sehe die Welt mit etwas anderen Augen. Mein kleiner Fotoapparat, der mich immer begleitet, wird in Zukunft ei­niges mehr zu sehen bekommen. Aber auch meine große Kamera wird ein wenig andere Fotos machen dürfen, erfrischendere. Viel­leicht auch noch einige der alten Konzeptfo­tos. Klar, aber ich könnte mir denken, dass auch diese von einer überraschenden Frische profitieren.

 

 

 Ich sehe die Welt nun vielleicht öfter neu und laufe etwas geerdeter durch die Gegend (wenn ich denn dran denke). Ein Stau, oder eine sonstige Warterei kann mich nicht mehr schrecken, denn ich weiß die Zeit nun gut zu nutzen. Ein kleiner Farbenscan gefällig? Viel­leicht ein kleines „Pöff“, innehalten, die Ka­mera zücken und ein schönes Foto machen, das ich sonst nie gemacht hätte.

miksang-texturen-5Ich weiß nun, dass es eine Möglichkeit für mich gibt, völlig abzuschalten. Eine, die die Augen öffnet.

 

Ich würde jetzt nicht sagen, dass dies alles zu zwangsläufig besseren Fo­tos führt. Ein Kochrezept ist das nicht. Viel­leicht denkt nun der ein oder andere: Das kann ich doch auch allein zu Hause lernen. „Kann“ vielleicht, aber ich bin mir sicher, dass das Lesen darüber als Anleitung nicht reicht. FormationDie Praxis in der Gruppe ist mehr als die hal­be Miete – das geht schlicht nicht im stillen Kämmerlein! Gewiss ist, für jeden Fotografen, vor allem für die kopfgesteuerten Techniker, kann es eine gute Übung sein, an einem sol­chen Workshop teilzunehmen, um sich aus al­ten Verstrickungen in konzeptuelle Ideen lö­sen zu lernen.

 

VerstofflichtDie Welt mit anderen Augen sehen! Mit jenen, die uns geschenkt sind, und die „lediglich“ von der Patina eingefahrener Gewohnheit be­freit werden müssen.

 

 

Zun Kugeln„Das Auge, mit dem ich Gott sehe, ist dasselbe Auge, mit dem Gott mich sieht.“ (Meister Eckhart)

 

 

 

 

Es war eine beeindruckende kontemplative Erfahrung. Eine Erfahrung, die meinem Alltag ein wenig mehr Licht schenkt. Einige Verkrustungen im Denken wurden gelöst. Danke dafür! Ich werde sicher eine Fortsetzung erleben!

Amsterdam

 

„Jedes Kunstwerk, mit dem der Künstler – und sei es nur ansatzweise – darauf abzielt, sich mit anderen zu messen, Geld zu verdienen oder Auf­merksamkeit zu erregen, ist ohne Zen, es läuft Gefahr, zu Kitsch zu wer­den.“ (Frederick Franck)

Blau ums Eck Raus aus dem alten Trott – Back to the Roots!